4. Februar 2026

Diese Zurückhaltung ist erklärbar. Gebundenes Vermögen wird häufig vorschnell mit periodischen Lebensversicherungen gleichgesetzt – Produkten, die jungen Menschen mit begrenztem Vermögen als Sparinstrument verkauft werden. Von solchen Konstrukten ist hier ausdrücklich nicht die Rede. Sie haben in einer professionellen Finanzplanung in der Regel keinen strategischen Mehrwert.
Was hingegen gemeint ist, ist der gezielte Einsatz von gebundenem Vermögen als eigenständiger Portfoliobaustein innerhalb komplexer Vermögensstrukturen.
Das gebundene Vermögen unterliegt in der Schweiz strengen gesetzlichen Vorgaben. Gemäss Versicherungsaufsichtsgesetz müssen Lebensversicherer die Ansprüche ihrer Kundinnen und Kunden jederzeit vollständig durch ein separates Vermögen decken, inklusive Sicherheitszuschlägen. Dieses Vermögen steht ausschliesslich den Versicherungsnehmern zu und ist selbst im Konkursfall vom übrigen Gesellschaftsvermögen getrennt. Die FINMA überwacht diese Deckung laufend.
Aus finanzplanerischer Sicht ist weniger die juristische Konstruktion entscheidend als ihre ökonomische Wirkung. Das gebundene Vermögen wird langfristig, konservativ und breit diversifiziert investiert. Der Schwerpunkt liegt auf Obligationen, Immobilien und Hypotheken, ergänzt durch einen bewusst limitierten Aktienanteil. Ziel ist nicht maximale Rendite, sondern Stabilität, Planbarkeit und Ertragskontinuität.
Genau hier liegt der eigentliche Mehrwert für vermögende Anleger. In der modernen Portfoliotheorie ist nicht die isolierte Rendite einer Anlage entscheidend, sondern ihr Beitrag zur Effizienz des Gesamtportfolios. Niedrige Volatilität, geringe Korrelation zu risikoreichen Anlagen und geglättete Erträge können dazu führen, dass sich das Risiko-Rendite-Verhältnis eines Portfolios verbessert, obwohl einzelne Bausteine keine spektakulären Renditen liefern.
Die Beimischung von gebundenem Vermögen kann in diesem Kontext die Sharpe Ratio eines bestehenden Depots erhöhen. Nicht, weil die Rendite steigt, sondern weil die Schwankungsbreite sinkt und Erträge stabilisiert werden. Für Anleger mit substanziellen Aktien- oder Unternehmensbeteiligungen schafft dies einen Ausgleich, der es erlaubt, Risiken gezielt dort einzugehen, wo sie langfristig entschädigt werden.
Dieser Ansatz setzt eine gewisse strukturelle Komplexität voraus. Er richtet sich nicht an einfache Vermögensverhältnisse, sondern an Situationen, in denen Vermögen funktional gedacht wird. Nicht jede Anlage verfolgt denselben Zweck; vielmehr ist das Gesamtvermögen in unterschiedliche Rollen gegliedert – etwa in wachstumsorientierte Teile, stabilisierende Sicherungsbausteine und planungsrelevante Reserven.
Gebundenes Vermögen übernimmt dabei keine renditegetriebene Rolle, sondern eine stabilisierende. Es dient der Reduktion von Gesamtrisiken, der Erhöhung der Planbarkeit und der Entkopplung einzelner Vermögensteile von kurzfristigen Marktschwankungen. Institutionelle Investoren und Family Offices denken seit jeher in solchen Kategorien – bei privaten Vermögen wird dieser Ansatz hingegen oft vernachlässigt.
Aus Sicht einer ganzheitlichen Finanzplanung ist gebundenes Vermögen deshalb weder ein Ersatz für Aktien noch ein Produkt für jede Lebensphase. Es ist ein spezialisierter Baustein, der in der richtigen Struktur und zur richtigen Zeit einen relevanten Beitrag zur Robustheit eines Portfolios leisten kann.
Nicht laut, nicht spektakulär – aber wirkungsvoll.
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